Don’t be evil – es war einmal: Meinung zu Chat-KIs (Bard & Co.)
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Don’t be evil – es war ein­mal: Mei­nung zu Chat-KIs (Bard & Co.)

Don´t be evil – das war ein­mal der Leit­satz von Goog­le. Im Jahr 2018 wur­de er schließ­lich gänz­lich aus dem Ver­hal­tens­ko­dex von Goog­le ent­fernt. Lei­der. Denn die ak­tu­el­le Lage ist mehr als be­sorg­nis­er­re­gend.

Web­mas­ter, Pu­blisher, SEOs und vie­le wei­te­re, die ger­ne Traf­fic über die Such­ma­schi­ne be­zie­hen, sind seit den neu­es­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen von Goog­le ziem­lich ver­är­gert.

In ei­ner Prä­sen­ta­ti­on und auf dem Blog hat Goog­le ers­te Bil­der sei­ner neu­en Chat-KI na­mens Bard vor­ge­stellt. Auch wenn das noch ers­te Ent­wür­fe und Ideen sind, zeigt sich hier ziem­lich ein­deu­tig, wie Goog­le über Web­sei­ten­be­trei­ber denkt. Sie sind eine rei­ne Con­tent-Quel­le, an der man sich nach Be­lie­ben kos­ten­los be­die­nen kann. Und das ohne eine Nen­nung oder Ver­lin­kung.

Falsche Antwort Brad KI Google
Quelle: https://twitter.com/Google/status/1622710355775393793

Goog­le will da­mit noch stär­ker zu ei­ner Ant­wort­ma­schi­ne wer­den und be­geht knall­har­ten Con­tent-Dieb­stahl. Soll­ten die Ent­wür­fe von Bard so on­line ge­hen, dürf­ten vie­le Web­sites or­dent­lich an Traf­fic ein­bü­ßen.

Bard kommt – so könn­te die Chat-KI aus­se­hen

Ei­ner der Ent­wür­fe von Bard zeigt, wie das Chat-Pro­gramm die Fra­ge „Was ist ein­fa­cher zu er­ler­nen? Pia­no spie­len oder Gi­tar­re spie­len?“ be­ant­wor­tet.

https://twitter.com/WittedNote/status/1622694511754477568/photo/1
Quelle: https://twitter.com/WittedNote/status/1622694511754477568/photo/1

Die Ant­wort in dem ge­zeig­ten Screen­shot: Bard schreibt, dass „man­che“ sa­gen, dass Pia­no ein­fa­cher zu er­ler­nen sei und „an­de­re“ fin­den, dass es leich­ter wäre, Gi­tar­re zu ler­nen. „Mu­sik­leh­rer“ emp­feh­len au­ßer­dem eine Stun­de am Tag zu üben.

Im Screen­shot zeigt sich die böse Sei­te von Goog­le und dass ih­nen die Con­tent-Crea­ter to­tal egal sind. Wel­che Mu­sik­leh­rer emp­feh­len eine Stun­de Übung am Tag? Hier wäre eine Ver­lin­kung zu 2-3 Quel­len doch ide­al. Und wer spricht sich fürs Pia­no aus und wer für die Gi­tar­re? Auch hier wä­ren Quel­len an­ge­bracht.

Die stil­le Ver­ein­ba­rung, dass Web­sites In­for­ma­tio­nen und Such­ma­schi­nen Traf­fic lie­fern, wird von Bard so­was von mit Fü­ßen ge­tre­ten, dass ei­nem da­bei schlecht wird. Dank­bar­keit für den Con­tent? Fehl­an­zei­ge! Es bleibt nur zu hof­fen, dass Goog­le die­se Ver­si­on von Bard über­ar­bei­ten wird und in Zu­kunft sinn­voll Quel­len zu Web­sites ein­bin­det.

Bing zeigt, wie es bes­ser geht

Ers­te Nut­zer durf­ten be­reits das „neue“ Bing mit der in­te­grier­ten Chat-KI tes­ten. Der gro­ße Un­ter­schied: Hier wer­den alle Ant­wor­ten mit ent­spre­chen­den Quel­len be­legt.

Antwort mit Links bei Bing
Quelle: https://mobilesyrup.com/2023/02/11/bing-chat-ai-edge-first-impresisons/

Den­noch: Freu­den­tän­ze möch­te man dar­über auch nicht wirk­lich ma­chen. Schließ­lich ant­wor­tet die KI auch auf kom­ple­xe­re Fra­gen sehr aus­gie­big und ein Klick auf die Quel­len wird für vie­le Nut­zer nicht mehr nö­tig sein. Eben­falls eine be­sorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung.

Es war ein­mal … der Deal zwi­schen Web­sites und Such­ma­schi­nen

Ei­ni­ge Web­mas­ter wer­den künf­tig si­cher dar­über nach­den­ken, ihre In­hal­te ver­stärkt vor Such­ma­schi­nen zu schüt­zen. Wo bleibt die Mo­ti­va­ti­on, gu­ten Con­tent zu er­stel­len, wenn Such­ma­schi­nen ihn mit ih­ren KIs klau­en und den Au­tor nicht mehr als Quel­le wür­di­gen?

Klar, ein­fa­che Fra­gen, z. B. „Wie alt ist Mi­cha­el Jor­dan“ kön­nen und soll­ten Such­ma­schi­nen di­rekt be­ant­wor­ten kön­nen. Aber was ist mit kom­ple­xe­ren The­men? Eine wis­sen­schaft­li­che Ar­beit, ein aus­führ­li­cher Gui­de über neue Tech­no­lo­gien – die Er­stel­lung sol­cher In­hal­te ist mit viel Ar­beit ver­bun­den. Wenn der Dank in Form von Traf­fic aus­fällt, wer­den ei­ni­ge Web­sites wohl um­den­ken müs­sen.

Nie­mals nur auf eine Traf­fic-Quel­le ver­las­sen!

Die­ser Leit­satz gilt mehr als je zu­vor. Der Traf­fic wird für vie­le Web­sites zu­rück­ge­hen und ei­ni­ge wer­den sich nach neu­en Quel­len um­schau­en müs­sen. Wel­che das sein wer­den? News­let­ter, So­cial Me­dia, Paid Me­dia und mehr kön­nen Ab­hil­fe schaf­fen. Aber den im­mensen kos­ten­lo­sen Traf­fic über die or­ga­ni­sche Su­che wird kaum ei­ner so schnell er­set­zen kön­nen.

Wer­den die „Bö­sen“ uns ret­ten?

Was ha­ben sich vie­le wut­ent­brannt über Ar­ti­kel 13 und die EU be­klagt. Könn­te die EU dies­mal un­se­re Ret­tung sein und die Such­ma­schi­nen zwin­gen, wei­ter or­ga­ni­schen Traf­fic zu lie­fern?
So ein­fach ist es wohl nicht, wenn man be­denkt, wer da in der EU sitzt – alte wei­ße Män­ner, die vom In­ter­net so­was von kei­nen Plan ha­ben. Bis sich in der Po­li­tik et­was be­wegt, kann es für vie­le Web­sites be­reits zu spät sein. Wird die EU trotz­dem der letz­ter Stroh­halm für vie­le Web­mas­ter sein?

Ich habe ChatGPT ein­fach mal ge­fragt, ob die EU Goog­le zu or­ga­ni­schen Such­ergeb­nis­sen zwin­gen kann.

Chat GPT EU und Bard

Die Ant­wort: Ja, laut ChatGPT könn­te die EU z. B. die elek­tro­ni­sche Han­dels­richt­li­nie ent­spre­chend ver­än­dern und Goog­le und Co. so­mit ein­schrän­ken. Es gibt aber kein di­rek­tes Ge­setz, das ei­ner Such­ma­schi­nen vor­schreibt, wie sie ihre Such­ergeb­nis­se aus­zu­spie­len hat.

Die­se In­fos sind ohne Ge­währ – hof­fen wir mal, dass ChatGPT hier Recht hat ;).

Wie ist das Feed­back zu Bard bis­her?

John Mül­ler hat ge­fragt, wel­che Funk­tio­nen sich die Men­schen von ei­ner KI wün­schen. Die Ant­wor­ten wa­ren ziem­lich ein­heit­lich:

John Müller Meinung zu SEO in zwei Jahren
Quelle: https://twitter.com/Farbentour/status/1622881135230435329
Antwort 1 dazu
Quelle: https://twitter.com/LagMarino/status/1622890654056517632
Antwort 2 dazu
Quelle: https://twitter.com/robiplop/status/1622882282452434948

Wir wün­schen uns wei­ter­hin or­ga­ni­schen Traf­fic und dass die In­for­ma­tio­nen von Bard mit Links zu Web­sites als Quel­len be­legt wer­den.

So wie es jetzt aus­sieht, wird es aber an­ders kom­men. Dass Bard Or­ga­nic Traf­fic lie­fern wird, scheint nicht der Plan zu sein. Das ist de­sas­trös und ver­ant­wor­tungs­los von Goog­le.

Wut auf Goog­le

Dass die Vor­stel­lung von Bard al­les an­de­re als gut an­kam, ließ sich auf Twit­ter nach­ver­fol­gen. Hier be­schwer­ten sich zu­recht zahl­rei­che Nut­zer:

Meinung Bard 1
Quelle: https://twitter.com/glenngabe/status/1622672194865176597
Meinung zu Bard 2
Quelle: https://twitter.com/FardunRahman/status/1622681243354816513

Selbst John Mül­ler sieht das Ende ge­kom­men – oder doch nicht?

Et­was merk­wür­dig wa­ren die Aus­sa­gen von John Mül­ler. Auf sei­ne Um­fra­ge, ob SEO in zwei Jah­ren vor­bei sein wür­de, ant­wor­te­ten die meis­ten mit ei­nem kla­ren Nein. Trotz­dem woll­te John nicht wirk­lich viel Op­ti­mis­mus für SEOs durch­bli­cken las­sen. Im Ge­gen­teil – vie­le sei­ner Ant­wor­ten wir­ken, als ob er SEO schon ab­ge­schrie­ben hat. Oder war das ein­fach nur Sar­kas­mus?

SEO am Ende laut John - NO
Quelle: https://twitter.com/JohnMu/status/1622990817458634752

Fa­zit: Die Welt ver­än­dert sich

Das In­ter­net ist erst we­ni­ge Jahr­zehn­te alt. Die Ver­än­de­run­gen, die es seit­her durch­lau­fen hat, sind bei­spiel­los. Na­tür­lich wer­den auch wei­ter­hin Neue­run­gen auf uns zu­kom­men.

Das In­ter­net funk­tio­niert aber nur durch sei­ne zahl­rei­chen Web­sites und bie­tet für Men­schen auf der gan­zen Welt ei­nen Zu­gang zu frei­en Wis­sens­quel­len und Mei­nun­gen. Auch wenn Goog­le sich ver­än­dert, kann es we­nigs­tens nicht das kom­plet­te Web zer­stö­ren – das be­kommt höchs­tens die EU ir­gend­wann hin ;-).

Wenn Goog­le den Web­sites den kos­ten­lo­sen Traf­fic-Hahn ab­dreht, wer­den sich vie­le von der Such­ma­schi­ne ab­wen­den und ihre Craw­ler blo­ckie­ren. So wahn­sin­nig wird wohl Goog­le nicht wer­den – hof­fen wir zu­min­dest. An­sons­ten gibt es ja noch tol­le wei­te­re Such­ma­schi­nen, um die wir SEOs uns küm­mern kön­nen.

Fabian Auler

Geschrieben von

Fabian Auler

… ist Gründer und Inhaber der Farbentour Online Marketing GmbH, Fachautor beim Springer Gabler Verlag und veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Online-Publikationen. Zudem ist er Referent bei Fachkonferenzen wie den SCM Praxistagen, der Content World oder der (SEO) Campixx und wurde als TOP 100 SEO Influencer ausgezeichnet. Laut iBusiness.de zählt seine Agentur zu den 100 wichtigsten SEO-Dienstleistern.

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